Die Entwicklungen der Gründerzeit gingen damals weder an Sachsen, das sich zu einem industriellen Ballungsraum, vergleichbar dem Ruhrgebiet, entwickelte, noch an Leipzig, das vor allem im Bereich der graphischen Industrie und des Maschinenbaus prosperierte, spurlos vorüber. Auch der Handel war ein wesentliches Standbein des enormen Wachstums der Stadt in jenen Jahren.
Im Bereich der Messe war es vor allem die Durchführung der ersten Mustermesse der Welt im Jahr 1896, die Leipzig

Altes Augusteum der Universität am Augustusplatz, 1898

noch einmal einen gewaltigen Innovations- und Kapitalschub brachte und Leipzig als wichtigste Drehscheibe des europäischen Handels etablierte. Bereits in der  ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich Leipzig mit der Gründung des „Börsenvereines des Deutschen Buchhandels“ (1825) als Hauptzentrum des deutschen Buchhandels etabliert. Alle bedeutenden und auch die meisten der weniger bedeutenden Verlage hatten ihren Sitz in Leipzig bzw. in einem der kleinen Vororte der allernächsten Umgebung. Diese Vororte entwickelten sich mit den Jahren zu regelrechten Industriezentren vor den Toren der Stadt.
Am Ende des Jahrhunderts wurden sie nahezu alle eingemeindet, und Leipzig konnte seinen glanzvollen Aufstieg zu einer der größten und wichtigsten Städte Deutschlands beginnen.

In einigen Bereichen der Wirtschaft und der Kultur übernahm die Stadt Leipzig beinahe spielerisch die Führungsrolle. Sie galt vielen als Mutter der Messen, mit ihren zahllosen Messepalästen, -höfen und -passagen in der Innenstadt und ab 1917 einem der ersten modernen Messegeländen am südöstlichen Stadtrand.
Sie war die Buchstadt Deutschlands, mit der ersten Nationalbibliothek, der 1912 eingeweihten „Deutschen Bücherei“ – der Buchhändlerbörse und den zahllosen Verlagshäusern, Druckereien und sonstigen Fabriken der „Schwarzen Kunst“.
Aber auch im Bereich der Bildung und der Kultur konnte Leipzig sich sehen lassen: Die Universität Leipzig ist nach Heidelberg die zweitälteste deutsche Universität, die ihren Lehrbetrieb bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung aufrecht erhielt. Durch zahlreiche spektakuläre Einrichtungen und Gründungen, wie zum Beispiel das Gewandhausorchester, den Thomanerchor und die Gründung des Musikalischen Konservatoriums durch Felix Mendelssohn-Bartholdy avancierte Leipzig Mitte des 19 . Jahrhunderts auch zur bedeutendsten Musikstadt Deutschlands.
Was bei alledem immer ein wesentliches Element gewesen und geblieben ist, das ist das gegenseitige Durchdringen der verschiedenen Bereiche des städtischen Lebens:
Keine Kultur ohne Kommerz und umgekehrt.
Nur durch dieses angstfreie Durchdringen ganz unterschiedlicher Ebenen konnte etwas Neues und zugleich einzigartiges entstehen, dessen Früchte bis in unsere Tage hinein geerntet werden können. Ein Blick auf die Fülle der architektonischen Kleinodien oder auch das kulturelle Angebot beantwortet alle Fragen.

2016-07-29T15:44:48+00:00